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Gaststätte "Friedenseiche" bis "La Luna"

Wie aus der Gaststätte "Zur Friedenseiche" das Ristorante "La Luna" wurde

Kehrt heute der Gast im Ristorante „La Luna“ ein, so wird er kaum ahnen, dass er in ein Gasthaus mit langer Tradition eintritt, obwohl er es aufgrund der Lage an der Dorfaue, heute Friedensaue, vermuten könnte.

Die Immobilie befand sich über einen sehr langen Zeitraum im Eigentum der Zernsdorfer Familie Schulze:
Im Brandenburgischen Landeshauptarchiv liegt unter Pr.Br.Rep 37, Herrschaft Königs Wusterhausen, Nr. 787, eine Akte von 1828/32 über die „Ablösung der Krugsverlagsrechte von der Dorothea Luise Schulze für den Krug in Zernsdorf“ vor. Der Krug hatte mit Sicherheit schon vorher existiert; aber die konkrete Nennung zu einem früheren Zeitpunkt ist heute noch unbekannt.

In der Akte vom 26. März 1853 „Ablösung der Reallasten der Einsassen von Zernsdorf“ wurde unter anderen auch der Krüger Johann Gottlieb Schulze genannt. Und in der „Steuerheberolle der Gemeinde Zernsdorf für das Jahr 1897/98“ führte man den Gastwirt Emil Schulze auf.

Die "Friedenseiche" auf der anssichtskarte von 1905
1905 hatte das Restaurant „Zur Friedenseiche“ von Emil Schulz(e) einen kunstvoll gestalteten Tanzsaal, eine Kegelbahn und einen Gartenbetrieb
(Ansichtskarte)

Größere Ansicht vom Saal 

Um 1920 wurde Emil Schulzes Sohn Georg als Gastwirt der „Eiche“ genannt. Er bot hier nun auch „Logis auf Monate, Wochen und Tage“ an. Am 12. September 1931 wurden in dem erweiterten und umgebauten Saal die „Tonlichtspiele Zernsdorf“ (Bild 01 & Bild 02) eröffnet. Sie wurden von einer Gesellschaft, bestehend aus dem Zeuthener Karl Trill, und den Zernsdorfern Georg Schulze und dessen Sohn Herbert betrieben. Der Saal, der Eingang befand sich neben der Treppe in der Mitte der Karte, konnte mehrfach genutzt werden und lockte nun auch Kinobesucher in die Gaststätte. Der Kinobetrieb, dazu musste der Saal 1949/50 erneut umgebaut werden, wurde bis um 1972 aufrechterhalten.

1956 - Frieda Rost mit ihrem Hund Addi

1956: Frieda Rost mit Hund Addi

Und einige Kinobesucher von damals werden sich sicher noch an Frau Frieda Rost erinnern. Die 1943 von Berlin nach Zernsdorf gezogene ehemalige Schauspielerin/Statistin verkaufte noch im Alter von über 80 Jahren die Kinokarten und wusste die Besucher stets mit ihrem besonderen Outfit zu beeindrucken. 

Da die Zernsdorfer Schule keine Sporthalle hatte und der Sportunterricht nicht nur im Freien stattfinden konnte, diente der Saal bis zum Herbst 1957 auch als provisorische Turnhalle. Kompliziert wurde es im Winter - denn die Sportlehrer mussten lange vor Beginn des Unterrichts den Kohlenofen anheizen, um dem Saal eine "sportliche" Temperatur zu geben.
Im Tanzparkett befanden sich die versenkbaren Verankerungen für die Sportgeräte, Bock und Reck. 

1953 ging die Immobilie in staatliches Eigentum über: Man hatte der im Erbe stehenden Ehefrau von Georg Schulze „Wirtschaftsverbrechen“ vorgeworfen und sie dann rechtskräftig verurteilt. Ein Grund, diese deshalb kurzerhand zu enteignen. Die HO (Handelsorganisation) Gaststätten Kreis Königs Wusterhausen bewirtschaftete mit Pächtern nun das „Kulturhaus Zernsdorf“. Im Rahmen des NAW (Nationales Aufbauwerk) wurde es auch durch Geld und Sachspenden, freiwillige Arbeitsstunden der Bevölkerung und der ortsansässigen Betriebe zum kulturellen Mittelpunkt Zernsdorfs. Zahlreiche Tanzveranstaltungen und Dorffeste fanden in diesem Saal statt. Das Obergeschoss beherbergte die Gemeindebibliothek und, als diese ins heutige Bürgerhaus zog, den Jugendclub. Die schmale Terrasse vor dem Haus fungierte oft auch als Tribüne zu den Kundgebungen zum 1. Mai oder als Bühne für Dorffeste.

1983 - Feier im Kulturhaus Zernsdorf

Nach 1989 wurde die Gaststätte geschlossen und stand einige Zeit leer. Die Erben der letzten privaten Eigentümerin erhielten schließlich die Immobilie zurück, um sie anschließend zu verkaufen. Nach aufwändigen Umbauten, Einbau einer Bowlinganlage in den Saal, wurde die Gaststätte als Ristorante und Pizzeria „Bella Italia“ im Jahre 1999 wieder eröffnet. Nach und nach wurden die Räume im oberen Geschoss als Pensionsräume umgebaut. Im Februar 2007 stand plötzlich eine kurzzeitige Schließung an - „Bella Italia“ wurde zum Verkauf angeboten.

Nach Eigentümerwechsel wurde am 1. April 2007 die Gaststätte wieder eröffnet und begrüßt seitdem als Ristorante „La Luna“ ihre Gäste. Das Obergeschoss ist nun die Wohnetage des Eigentümers und seiner Familie.

Zernsdorf, Friedensaue 11 - so sieht es heute ausZernsdorf, Friedensaue 11 - 2011

(Bearbeitungsstand: 28. Juli 2015)