Rettet den Wasserturm

Die Geschichte vom Wasserturm
Wahrzeichen von Zernsdorf
unter Denkmalschutz seit dem 27. März 2000

Der Wasserturm ist ein Zeuge der Industriegeschichte Zernsdorfs, denn seine Errichtung hängt direkt mit dem Betrieb des Schwellenwerkes Zernsdorf zusammen.
Zernsdorf war 1898, als die Holzimprägnieranstalt „Von Hülsberg & CO.” gegründet wurde, ein kleines Dörfchen. Die neue Industrieanlage lag in dieser Zeit weit vor den „Toren des Ortes” zwischen dem Nordufer des Krüpelsees und der 1888 gebauten Kreischaussee Königs Wusterhausen-Zernsdorf-Kablow.
In dieser Imprägnieranstalt wurden Bauhölzer mit einer Salzlösung in neu entwickelten Kesseldruckverfahren als Brandschutz imprägniert. 1902 ließ sich der Erfinder Max Rüping dieses Verfahren patentieren. Er erkannte, dass mit dem Tränkmittel Teeröl das Holz vorbeugend gegen holzzerstörende Organismen geschütz wurde.
im gleichen Jahr ging die Holztränkanstalt in das Eigentum der Rütgers AG über. Doch schon nach kurzer Zeit wurde das Werk geschlossen - angeblich wegen fehlender Aufträge. Aber auch die abgelegene Lage und damit ein Arbeitskräftemangel könnten der Grund gewesen sein. 1906 wollte die Königliche Bahn in Spindlersfeld (Berlin) ein Gelände aufkaufen, um an diesem Standort eine Schwellentränkanlage aufzubauen. Was lag näher, als den stillgelegten Betrieb zu erwerben? Im gleichen Jahr wurde die Königliche Eisenbahn der neue Eigentümer.
In der Zernsdorfer “Schwellentränkungsanlage”, die als Betrieb erst zur Königlichen, dann zur Reichs- und schließlich zur Bundesbahn gehörte und 1993 Teil einer GmbH wurde,  tränkte man bis zum 27. Oktober 1995  Holzschwellen für den Eisenbahnbau. Ende 1995 wurde das Werk nach fest 100 Jahren Produktionsstandort für immer stillgelegt.

Als Bauzeit für den Wasserturm kann man 1907/08 annehmen, denn die Bauzeichnung wurde im Januar 1907 angefertigt. Er war zunächst als Sicherheit wegen der großen Brandgefahr gebaut worden, denn die Schwellen lagerten auf dem Holzplatz in unmittelbarer Nähe der Tränkanlage. 1947/48 wurden dann auch die zum Werk gehörigen Wohnhäuser an die Wasserversorgung angeschlossen. 1995 ging mit Schließung des Schwellenwerkes auch der Wasserturm außer Betrieb. .
Am 31. Januar 1998 stellte die Gemeinde Zernsdorf den Antrag zur Aufnahme des Zernsdorfer Wahrzeichens in die Denkmalschutzliste des Landkreises Dahme-Spreewald. Im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege wurde der Turm als denkmalwürdig begutachtet, weil er eine in der Region einzigartige Konstruktion aufweist und er als Wasserversorgung für Industriezwecke gebaut wurde. Und die Zernsdorfer waren nun stolz auf ihr Wahrzeichen, denn es gibt im Ort kein vergleichbares „herausragendes“ Bauwerk.
Mitte des Jahres 1999 fing am Dach des Turmes der Zahn der Zeit an zu nagen. Der Eigentümer des Turmes schmetterte die Bitte der Gemeinde um Sanierung des Turmes zu dieser Zeit als nicht notwendig und zu kostenaufwendig ab.
Im Januar 2000 rissen die Winterstürme an der Dachdeckung und aus dem kleinen Loch entstand ein weithin sichtbarerer Schaden.
Für den Heimatverein war dies ein Grund, den Wasserturm endlich auch in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken, denn das Verfahren zum Denkmalschutz lief schon seit immerhin zwei Jahren! Der Heimatverein initiierte eine Unterschriftensammlung; über 800 Bürger forderten die Rettung des Wasserturmes. Deshalb lud der Heimatverein im Februar die Verantwortlichen von Gemeinde, des Denkmalschutzes, der Bahn, die Zernsdorfer Bürger und die Presse zu einem öffentlichen Stammtisch ein. Die Deutsche Bahn Immobiliengesellschaft als Eigentümer „kniff” per Fax und ohne Begründung!
Welche Freude, als wir die Nachricht erhielten, dass der Turm am 27. März 2000 den Denkmalschutzstatus erhielt, weil wir glaubten, dass der Eigentümer nun endlich tätig werden muss! Wir mussten uns eines Besseren belehren lassen! Im September teilte ein Vertreter der Bahn in einer Gemeindevertreterversammlung mit: Am Turm wird nichts gemacht! Man stünde mit einem möglichen Investor in Vertragsverhandlungen, der die Immobilie „Schwellenwerk” übernehmen würde. Erläuternd muss gesagt werden, dass der Boden auf Grund des fast hundertjährigen Schwellentränkbetriebes kontaminiert ist; entsprechende Untersuchungen stellten eine „Phenolblase” im Erdreich fest.
2001 wurde das Gelände an die N&N Projekt GmbH verkauft. Diese verteilte unter den Slogan „Von Turm zu Turm” nichts sagende, dafür aber bunt und groß aufgemachte, Prospekte und versuchte die Zernsdorfer für sich einzunehmen. Außer dass einige „ausgenommen” wurden, weil sie mit dem Versprechen der „Stillen Teilhaberschaft” weit mehr als nur ein paar Mark in die Versprechungen investierten, ist nichts passiert. Aber am eingesammelten Geld des Heimatvereins, rund 900 Euro, die wir als Beitrag zur Sanierung des Turmes dachten, waren die Herren sehr interessiert. Der Betrag befindet sich heute noch auf dem Konto des Heimatvereins - vielleicht reicht er für eine neue Messingtürklinke, wenn der Turm irgendwann wieder hergestellt werden sollte! 2002 verschwand N&N Projekt wegen Insolvenz vom Schwellenwerksgelände. Doch in einen Dornröschen-Schlaf fiel das Gelände deshalb nicht! Die Betriebsgebäude und der Turm wurden für „Vandalen” zum gefahrvollen Abenteuerspielplatz und die Witterung tat ihr übriges.
Mitte 2003 bat der Heimatverein die Denkmalschutzbehörden, die Deutsche Bahn AG - Herrn Mehdorn persönlich -, den Bundesminister für Verkehrs-, Bau- und Wohnungswesen, Herrn Stolpe, und den Landrat des Landkreises Dahme-Spreewald, Herrn Wille, um Unterstützung der erneuten Bemühungen um den Turm. Ein wenig wurde bewirkt - der Heimatverein bekam einen Beratungstermin bei der Bahn im Juli 2003! Uns wurde mitgeteilt, dass das Verfahren der Rückübertragung der Immobilie an die Bahn im Gange sei (Dauer ein Jahr!!). Wir mussten klarstellen, dass das Flicken von Drahtzäunen nicht gleich der „Sicherung eines Denkmales” entspricht! Und wir hörten: ...kein Geld, kein Geld, kein Geld... sei für die Sanierung vorhanden. Aber „Bemühungen”, um unser Anliegen zu unterstützen, sagte man uns zu. Ende Oktober kam die Bahn „ihrer” Sicherungspflicht nach, ließ mit Blechtafeln den Zugang und die mit Leitern erreichbaren Fenster sichern.
Februar 2004 - durch die entblößte Dachkonstruktion pfeift weiterhin der Sturm und treibt Schnee und Regen in das Innere!

Neubeginn auf dem ehemaligen Industriegelände
“Wohnen am See”

Im Jahre 2007 wurde die Immobilie verkauft. Durch den Investor, der “Wohnen am Zernsdorf” GmbH wurden nun endlich “Nägel mit Köpfen” gemacht. Am 26. Februar 2008 erfolgte der erste Spatenstich zum Beräumen und zur Sanierung des Areals. Der ölgetränkte “Industrie-Boden” wurde an Ort und Stelle nach einem Spezialverfahren (OSBO-Verfahren) gereinigt. Ein Bebauungsplan zur Neubesiedlung wurde erarbeitet.
Am
22. Oktober 2009 konnten Investor, beteiligte Firmen und eingeladene Gäste mit einem Fest und Feuerwerk die abgeschlossene Sanierung feiern.
Als einzigtes Gebäude auf dem ehemaligen Industriestandort blieb nur der Wasserturm erhalten.  Auch heute (Juli 2010) ist noch offen, welche Nutzung er in der Zukunft haben wird. Ein 2009 gegründeter Verein, der Wasserturmverein Zernsdorf, will sich mit Ideen und Taten einbringen, dass der Turm für eine öffentliche Nurtzung erhalten bleibt.
Zum Tag des offenen Denkmals, am
12. September 2010 wird der Turm, durch den Wasserturmverein Zernsdorf als Veranstalter, in das öffentliche Augenmerk gerückt.
Und für die Kunstfreunde findet an diesem Tag ein Konzert mit 
Björn Casapietra statt. Der smarte Sänger und begabte Entertainer veröffentlicht in diesem Jahr sein 5. Studioalbum mit dem Titel "Celtic Prayer" und wird mit seinem neuesten Programm in mehr als 40 Städten unterwegs sein - so auch in Zernsdorf am Wasserturm.
Mit mystischen, keltischen Songs und weltbekannten Liebesliedern taucht der Tenor ein in die ewigen Geheimnisse  der Liebe.

Die  “Körpermaße” unseres Turmes

Gesamthöhe:
Durchmesser:




Mauerstärke:



Wasserbehälter:
Stufen:

 
am Fuß - außen
am Fuß - innen:
unterhalb des Wasserbehälters - innen
in Höhe Wasserbehälter - außen:
in Höhe Wasserbehälter - innen:
bis in eine Höhe von ca. 5 m:
in Höhe von ca. 8,10 m:
in Höhe von ca. 19 m:
in Höhe Wasserbehälter:
Fassungsvermögen
 

31,95 m
7,65 m
6,25 m
4,00 m
ca.7,70 m
ca.7,40 m
0,70 m
0,57 m
0,38 m
ca.0,12 m
ca. 90,00 m³
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1996 - Hier war noch alles in Ordnung das “Loch” vorn links war eine Luke

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