Von der Einsiedel-Villa zum Bürgerhaus Zernsdorf

Villa Einsiedel - 1938

Villa Einsiedel, 1938

Hans von Einsiedel verfügte in seinem Testament vom 14. Dezember 1940 im § 5: ..."Soweit der von Einsiedelsche Familienverein Ersatzerbe oder Nacherbe nach meinem Sohne wird, lege ich folgendes Vermächtnis auf: Das zu meinem Nachlaß bzw. der Vorerbschaft gehörende Hausgrundstück, Horst-Wessel-Straße 35/41 (heute Friedrich-Engels-Straße 35-41) in Zernsdorf vermache ich der Gemeinde Zernsdorf bzw. deren Rechtsnachfolger."

Nach seinem Tode 1942 lebten in diesem Haus sein Sohn Kurt von Einsiedel mit seiner zweiten Frau, Franziska geb. Keck. Nach derem Tode 1946, heiratete er ein Jahr später Senta von Schmude, ihre Ehe blieb kinderlos.
Beide kamen im Abschluss einer Reise nach Kassel im Juli 1960 nicht wieder nach Zernsdorf zurück - "Republikflucht" hieß dies im Jargon der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Das Einsiedelsche Anwesen, nun "herrenlos" geworden, kam nach § I der Anordnung Nr. 2 vom 20. August 1958 "Über die Behandlung des Vermögens von Personen, die die DDR nach dem 10.06.1953 verlassen" in Treuhänderschaft und wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1961 dem Volkseigene Betrieb (VEB) Gästehäuser der Regierung, Berlin übertragen (dazu: Beschluss des Rates der Gemeinde Zernsdorf Nr. 6-4/61 vom 14. Februar 1961). Damit nichts mehr an die früheren Eigentümer des Anwesens erinnerte trug es fortan den schlichten Namen "Haus am Lankensee".

Erst 1971 wurde es in Volkseigentum überführt und in die Rechträgerschaft des Ministerrates der DDR überstellt und nannte sich nun "Gästehaus des Ministerrates der DDR".
Der Zernsdorfer "Runde-Tisch - Gästehauskommission" der Wendezeit erkämpfte 1990 die Übergabe der Immobilie an die Gemeinde Zernsdorf. Die wurde es jedoch gleich wieder los: Der alte Rat der Gemeinde hatte es nämlich noch kurz vor seiner Abwahl in einem Vertrag der GPG Flora Schöneiche übertragen. Das Schriftstück hierzu wurde aber erst später aufgefunden. Nach zähen Verhandlungen wurde der Vertrag Ende 1991 als unwirksam erklärt.
Zwischenzeitlich wurden im Haus schon die Gemeindebibliothek eingerichtet, Gemeindevertretersitzungen und Kultruveranstaltungen abgehalten.
Damit waren aber die Eigentumsverhältnisse immer noch nicht endgültig geklärt. Laut Testament des Hans von Einsiedel waren in der Erbfolge: Der Sohn, Kurt von Einsiedel, und dessen ehelichen Abkömmlinge und falls der Einsiedelsche Familienverein in die Erbfolge eintrat, sollte die Immobilien in der heutigen Friedrich-Engels-Straße 35-41 an die Gemeinde Zernsdorf oder deren Rechtsnachfolger fallen. Kurt von Einsiedel verstarb 1967 in der BRD (Deutsche Bundesrepublik) ohne eheliche Nachkommen.
 

 

Einsiedel-Genktafel

Gedenktafel im Bürgerhaus Zernsdorf

Am 26. September 2000 kam eine gütliche Einigung zustande. Die Erben erklärten, dass sie, gebunden an das Vermächtnis des Hans von Einsiedel, den Restitutionsanspruch in einem Vertrag der Gemeinde Zernsdorf abtreten. Es wurde darin vereinbart, dass zum Gedenken an den Vermächtnisgeber Hans von Einsiedel am oder im Gebäude des heutigen "Bürgerhauses Zernsdorf" eine Tafel angebracht wird, die an die Nachlassherkunft erinnert und das Einsiedelsche Familienwappen zeigt.Die Enthüllung der Tafel im Foyer des Bürgerhauses Zernsdorf fand am 1. April 2002, zum 135. Geburtstag von Hans von Einsiedel, vormittags 10 Uhr, in einer Feierstunde statt.

 Anlässlich des 150. Geburtstages am 1. April 2017 fand im Bürgerhaus Zernsdorf eine gedenkende Feierstunde statt. Daran nahmen neben zahlreich eingeladenen Zernsdorfern und Vertretern der Stadtverwaltung auch Mitglieder des Einsiedelschen Familienvereins e.V. teil. Am Sonntag, den 2. April 2017, feierten gemeinsam mit Pfarrer Gottfried Hülsen in der Kapelle auf dem "Historischen Friedhofs" viele Zernsdorfer einen Festgottesdienst zu Ehren von Hans von Einsiedel. Die Ablage eines Blumengebindes und die Enthüllung einer Infotafel am Familiengrab derer von Einsiedel  wurde vom Männerchor "Freie Sänger Zernsdorf" e.V. feierlich eingeleitet.

 

Bürgerhaus Zernsdorf, 2019

Bürgerhaus Zernsdorf, 2019

 

(Bearbeitungsstand: 31. August 2019)